Amblyopie - Schwachsichtigkeit
November 2018

Amblyopie - Schwachsichtigkeit

Als Amblyopie (von griech. ἀμβλύς, ‚stumpf‘, und ὅψις, ‚Auge‘, ‚Gesicht‘, ‚Sehen‘) oder Schwachsichtigkeit (früher: Blödsichtigkeit) wird die funktionale Sehschwäche eines oder seltener beider Augen bezeichnet, die auf einer unzureichenden Entwicklung des Sehsystems während der frühen Kindheit beruht. Das Ergebnis ist eine Verminderung der Sehschärfe, die nicht oder zumindest nicht ausreichend durch organische Fehler erklärt werden kann, und die auch bei optimaler optischer Korrektur mit Brille oder Kontaktlinsen fortbesteht.

Leitsymptom ist eine ein- oder beidseitige Verminderung der Sehschärfe, die in ihrem Ausmass den Grad einer Blindheit erreichen kann. Neben der zentralen Sehschärfenverschlechterung treten häufig sogenannte Kontureninteraktionen (Trennschwierigkeiten oder Crowding) auf, die zu erheblichen Problemen beim Lesen von Text und Erkennen von Reihensehzeichen führen können. Weiterhin kann es zu Störungen des beidäugigen Sehens, insbesondere des räumlichen Sehens, kommen.

Unter Berücksichtigung geographischer Unterschiede wird in Mitteleuropa eine Amblyopiehäufigkeit von 5 bis 6% der Bevölkerung angenommen. Bestimmte Quellen stellen die Amblyopie als Hauptursache für visuelle Funktionseinschränkungen während der ersten 45 Lebensjahre dar. Die Amblyopie nur eines Auges wird häufig gar nicht wahrgenommen und stört subjektiv nur wenig, während eine Schwachsichtigkeit beider Augen eher als behandlungsbedürftige Behinderung empfunden wird. Eine unbehandelte Amblyopie jedoch, zum Beispiel als Ergebnis eines nicht diagnostizierten Mikrostrabismus, kann eine Sehschärfe von unter zwei Prozent (Visus von 0,02 oder 1/50) auf dem betroffenen Auge zur Folge haben, was mit einer einseitigen Blindheit gleichgesetzt werden muss. Zudem muss man hier ergänzend die Diagnose oculus ultimus („letztes Auge“) erheben. Diese Situation stellt im täglichen Leben ein nicht unerhebliches Risiko dar und hat fatale Auswirkungen, sollte dem gesunden Auge durch Unfall oder Krankheit etwas zustossen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass der Verlust des besseren Auges bei erwachsenen Amblyopien mit etwa 1,75 % fast den dreifachen Wert der allgemeinen Erblindungfrequenz ausmacht. Ursache hierfür sind vor allem Unfälle, denen andere Erkrankungen im Verhältnis 14:9 folgen.

Als Risikofaktoren für eine Amblyopie gelten:

• Schielen
• Anisometropie
• höhergradige Ametropie
• familiäre Disposition
• Anomalien des Augenlids
• Trübungen der brechenden Medien (Hornhauttrübung, Grauer Star)
• Frühgeburt
• perinatale Komplikationen

Als beste Vorsorge gegen eine Amblyopie empfiehlt sich eine frühzeitige Untersuchung bei einem Augenarzt. Bereits im Säuglingsalter ist eine Beurteilung in der Regel möglich. Insbesondere bei familiärer Vorbelastung durch entsprechende Erkrankungen wird eine Abklärung innerhalb der ersten Lebenswoche angeraten, bei allen anderen Kindern zwischen der 4. und 8. Lebenswoche zum Ausschluss von angeborenen Anomalien. Bei Vorliegen von entsprechenden Risikofaktoren empfiehlt sich eine Untersuchung zum Ausschluss von strabismus- und refraktionsbedingten Amblyopien mit 6–12 Monaten. Prinzipiell sollte bei allen Kindern zwischen 3 bis 4 Jahern eine augenärztliche Untersuchung zum Ausschluss eines Schielens oder einer Amblyopie durchgeführt werden. Ziel ist es dabei, eine bestmögliche Prophylaxe beziehungsweise Therapie der Amblyopie zu gewährleisten, das Binokularsehen zu verbessern und das Erblindungsrisiko durch einen späteren Verlust des nicht amblyopen Auges zu minimieren. Ausserdem ist man bestrebt, noch möglichst vor der Einschulung eine deutliche Befundverbesserung zu erreichen, da die Akzeptanz und Compliance hinsichtlich einer intensiven Ampblyopiebehandlung nach diesem Zeitpunkt deutlich nachlässt und notwendige Massnahmen zunehmend schwieriger durchzuführen sind.

Das primäre Behandlungsziel liegt im Erreichen beziehungsweise in der Wiederherstellung einer normalen oder wenigstens verbesserten Sehschärfe mit zentraler Fixation und der damit verbundenen Reduzierung der Risiken, die durch eine „praktische Einäugigkeit“ entstehen. Zwar geht man davon aus, dass eine einmal bestandene Sehschärfe mit Einschränkungen reproduzierbar ist, grundsätzlich sind jedoch funktionelle Sehschwächen, die während des ersten Lebensjahres entstehen und nicht sofort entdeckt und behandelt werden, mit Erreichen der Pubertät in der Regel nicht mehr heilbar. Daher empfiehlt sich, insbesondere bei familiärer Disposition, eine routinemäßige Vorsorgeuntersuchung bei einem Augenarzt.