Quarantäne-Myopie: Warum Homeoffice zu Kurzsichtigkeit führt
Februar 2021

Quarantäne-Myopie: Warum Homeoffice zu Kurzsichtigkeit führt

Homeoffice. Homeschooling. Zurzeit verbringen wir viel Zeit in unseren eigenen vier Wänden und schauen auf Bildschirme. Eine Studie zeigt nun, dass das vor allem bei Kindern schwerwiegende Folgen haben könnte.

Kurzsichtigkeit wird immer mehr zu einem weltweiten Gesundheitsproblem. In Europa sind 50 Prozent der 20-Jährigen kurzsichtig. Und auch die Anzahl der schwerwiegenden Fälle von Kurzsichtigkeit nimmt stetig zu. Quarantine Myopia - Quarantäne-Myopie. So nennen Wissenschafter Kurzsichtigkeit, die aufgrund des Lockdowns auftritt. Davon betroffen sind vor allem Kinder. Die Gesellschaft wird seit Jahren kurzsichtiger - und droht immer blinder zu werden.

Eine Studie aus China untersucht seit 2015 die Augen von über 100 000 Schülerinnen und Schülern. Im ersten halben Jahr 2020 unterschieden sich die Ergebnisse drastisch von den Vorjahren. Um Minus 0,3 Dioptrien verschlechterte sich das Sehvermögen der Kinder nach einem halben Jahr Lockdown, Homeschooling und Ausgangssperren. Kurzsichtigkeit trat in der Altersgruppe von 6- bis 8-Jährigen bis zu dreimal häufiger auf als in den Jahren zuvor. Das bedeutet, dass die Kurzsichtigkeit noch früher einsetzt als zuvor. Je früher die Myopie eintritt, desto länger wird das Auge und umso stärker die Kurzsichtigkeit. Das erhöht das Risiko, im Alter sehbehindert oder sogar blind zu werden.

Einfach erklärt, funktioniert unser Auge folgendermassen: Über die Hornhaut und die Linse wird ein Bild auf unsere Netzhaut projiziert, das dann vom Sehnerv ans Gehirn weitergeleitet wird. Beim normalen Auge liegt der Fokuspunkt des Bildes genau auf der Netzhaut. Beim kurzsichtigen Auge ist der Augapfel länger als beim normalen Auge, und der Fokuspunkt liegt vor der Netzhaut. Dadurch erscheint das projizierte Bild unscharf. Kurzsichtige Menschen sehen aus der Nähe besser als in die Ferne.

Wenn Kinder viel Naharbeit machen, muss das Auge sehr viel arbeiten um die Objekte aus kürzester Distanz scharf zu sehen. Für das Auge ist es einfacher, etwas zu wachsen. Dann braucht es weniger Aufwand, um aufs Handy zu schauen oder ein Buch zu lesen. Also nicht nur die Gene, sondern vor allem die Lebensumstände eines Kindes haben Auswirkungen auf das Augenlängenwachstum. Während sich Kurzsichtigkeit mithilfe von Brillen und Kontaktlinsen korrigieren lässt, kann das zu lange Auge die Ursache für schwerwiegende Probleme im Alter sein. Wenn das Auge länger wird, dünnen die Augenhüllen aus. So zum Beispiel kann es zu Löchern in der Netzhaut kommen, was zu einer  Netzhautablösung führen kann. Wir werden also sehbehindert oder sogar blind.

Wissenschafter rechnen damit, dass im Jahr 2050 die Hälfte der gesamten Menschheit kurzsichtig ist. Dabei gibt es einfache Methoden, die Augen zu entlasten: 20-20-2 Regel. Wir wissen, dass viel Naharbeit als Kind unsere Augen zum Wachsen anregt. Achten Sie also auf die Bildschirm- und Lesezeit des Kindes und ermöglichen Sie Pausen. Nach 20 Minuten Naharbeit sollte das Auge einen Punkt in der Ferne fixieren - für mindestens 20 Sekunden. Aber das allerwichtigste ist, sich mindestens zwei Stunden am Tag draussen aufzuhalten.» Kinder sollten also auch während Homeschooling-Zeiten draussen spielen. Und auch wenn sich im Erwachsenenalter keine Kurzsichtigkeit mehr entwickeln kann, so hat Home-Office auch Auswirkungen auf erwachsene Augen. Die Naharbeit kostet unsere Augen ebenfalls Energie. Die 20-20-2 Regel kann hier für Entlastung sorgen.